Eine ganze Ewigkeit Zeit

Kalt ist es. Mich fröstelt´s. Ich bin umgeben von der tiefen Dunkelheit des winterlichen Waldes. Nur der klare unbewölkte Nachthimmel leuchtet zu mir herab. Voller Sehnsucht schau ich hinauf, in das mir vertraut schimmernde Meer unzähliger Lichtpunkte.

Jeder dieser Sterne ein atomarer Fusionsofen der, wie unsere Sonne auch, einem Planeten Leben spenden könnte. Nein, das stimmt nicht ganz. Nicht jeder dieser leuchtenden Himmelserscheinungen ist eine Sonne.

Was das bloße Auge nicht zu erkennen vermag: Viele dieser blinkenden Lichter bestehen selber aus Abermillionen kleiner Punkte. Jeder wiederum ein mögliches lebensspendende Zentralgestirn für sich.

Was ich sehe, ist unbegreiflich alt. So alt, wie das Licht braucht, um von seinem Ursprung gesendet, zu mir zu gelangen. Wie vieles von dem was ich erblicke ist jetzt schon untergegangen? Wie vieles ist dem Blick noch verborgenen, weil es neu hinzu geboren wurde und sein Licht mich noch nicht erreicht hat?

Voller Verzückung schaudere ich. Das ist ein Hauch von Unendlichkeit. Mit meiner so winzig kleinen Lebensspanne kann ich das alles gar nicht fassen.

Und dennoch, jetzt in diesen Augenblick, steht irgendwo dort oben ein Wesen auf seinem Planeten und schaut wie ich in diese Unfassbarkeit.

Ich weiß nicht wer es ist und wie es aussieht. Aber wie auch ich von ihm, hat es eine Ahnung von mir. Nein, es weiß, dass ich da bin. Es weiß, dass wir durch die Unendlichkeit getrennt sind. Dass wir uns in dieser Zeit und in diesem Raum niemals treffen können. Und dennoch hat es die gleiche Sehnsucht nach mir, wie ich nach ihm.

Ich denke an den Schöpfer, der Himmel und Erde erschaffen hat. Dieser einzigartige Lebensspender. Ist er nicht auch der Lebensspender dieses Wesens?

Aber Hallo! Wie kann man nur so etwas denken? Ist der Mensch nicht einzigartig? Ich höre die Hundertprozentigen einer jeden Religion schon „Blasphemie“ schreien. Sehe mich bereits als Ketzer auf dem Scheiterhaufen brennen.

Die Menschen sagen Gott sei groß, unnahbar, erhaben und allmächtig, weil er uns unser Leben geschenkt hat. Doch durch unsere Religionen machen wir uns den Allmächtigen begreifbar. Damit machen wir ihn so fassbar klein. Er bleibt aber so unbegreiflich viel größer als wir es mit unserem kleinen Geist erahnen können.

Ist er jedoch unser Schöpfer, so ist er doch auch der Schöpfer jenes Wesens, in dieser unerreichbaren Ferne, auf seinen mir unbekannten Planeten.

Und er hält wohl auch diesem Leben den Weg offen, in Gemeinschaft mit ihm zu existieren. Seine Schöpfung zu ergründen. Zu ihm in den Himmel zu kommen.

Jawohl in den Himmel zu kommen. Ich sehe Sie grinsen, jene, die nichts von Gott halten: „Wie lächerlich. Haben die Menschen nicht Türme und Raketen gebaut, um festzustellen, dass Gott nicht im Himmel ist. Sie ihn dort oben nicht finden können? Sie so auch nicht zu ihn in das Paradies kommen können?“

Sie mögen Recht haben. Aber es gibt einen Weg. Den der Glaubenden.

Davon hat uns sein in die Welt hinein gesandter Sohn erzählt. Als kleines Kind hineingeboren in diese Welt, hat er sich aufgemacht uns eine Brücke zum Vater zu schlagen. Widerstand den Versuchungen des Bösen und starb am Kreuz, zu unserer Erlösung. Durch seine Auferstehung hat er uns den Weg gelegt der die an Gott glaubenden in die Ewigkeit führt.

Gibt es diesen Weg auch für jenes Wesen dort oben? Ich bin mir sicher. Denn warum sollte diesem Gott jenes Leben weniger Wert sein, als das unsrige?

Ist es nicht ein wunderbarer Gedanke an eine Gemeinschaft aller glaubenden Wesen? Wenn ich einen Wunsch für die Ewigkeit habe dürfte, so wünschte ich mir, dass ich mich auf die Suche machen dürfte. Auf die Suche nach jenem Wesen, das jetzt voller Sehnsucht zu mir hinaufschaut.

Es wird nicht einfach sein, es zu finden. Ich glaube, dass es noch Abermilliarden Faches Leben in diesem Universum gibt. Am Ende jedoch werden wir beide uns an unserer Sehnsucht finden und erkennen. Wie lange unsere Suche auch dauern mag, es schadet nichts, denn wir haben ja dann eine ganze Ewigkeit Zeit dazu.

 


Hintergrund der Geschichte:
Gedanken zu Glauben und Religion. Aber auch zu Toleranz.


2 Seiten